>>> Er hofft ehrlicherweise, wie er sagt, dass der FCS am Saisonende noch auf diesem Platz stehe, dann könnten „Wir „ zufrieden sein. Denn bisher, so Klimmt, wurden mehr Punkte abgegeben als glücklich Punkte gewonnen. Von daher wäre es schön, wenn sich das in den nächsten Monaten zu Gunsten des Vereins wenden würde. Es sei schwierig, in einem so minimal gezirkelten Finanzspielraum eine adäquate Kadergröße zu haben, so müsse man sich bei „Einkäufen“ auch an dem bescheidenen Gehaltsgefüge orientieren. Das jetzt zwei Neuzugänge hoffentlich auch einschlagen, ist die große Hoffnung aller, zumal mit Manuel Zeitz ein wichtiger Spieler, der schwer zu ersetzten sein wird, verlorengeht. Jedoch gibt es laut Klimmt viel Substanz in der Mannschaft, die spielerisch wie auch charakterlich top sind, so dass man sich -natürlich mit einigen Verstärkungen- in der Liga festsetzen könnte. Finanznot hin oder her, man kann das Haus, so Klimmt, also die Infrastruktur von Stadt und Land, nicht so verkommen lassen, denn nicht nur Saarbrücken brauche ein Stadion, sondern auch das Saarland. Wer hier nicht in die Zukunft investiert, gibt sich, laut Klimmt, quasi selber auf. Klar brauche man Investitionen in das Bildungswesen und in die sportliche und kulturelle Infrastruktur von Stadt und Land. Doch das Geld, das ein Stadionneubau kostet, spart aber auf Dauer die Unterhaltskosten für die marode, ja allmählich zur Ruine verkommene Einrichtung. Attraktivität schafft auch die Chance zu neuen Einnahmen. Zuerst sollte eine klare Einigung hergestellt werden über die Ausgestaltung des Ludwigspark. Erst dann sollte der Finanzrahmen bezüglich der Verteilung der Kosten kalkuliert werden. Wer baut, wer betreibt und wo spielt der FCS während der Bauphase, werden als Antwort danach fällig. Klimmt schätzt, dass es immer schwieriger wird unter die 36 ersten Erst- und Zweitligavereine zu kommen. Früher sei das noch viel einfacher gewesen, meint er. Leider haben „Wir“ es damals nicht geschafft, uns festzusetzen, wie das z.B. Freiburg, Mainz, Aachen, Fürth und jetzt Augsburg, Paderborn und dem FSV Frankfurt gelungen sei. Dort sei auf der Basis einer gut entwickelten Infrastruktur, die in der Lage war, den unstillbaren Finanzbedarf abzudecken, glücklich und vielleicht auch kompetenter gearbeitet worden als vor Ort. Klimmt sagt es klipp und klar: „Tut sich hier in Sachen Infrastruktur nichts, dann ist die dritte Liga das höchste der Gefühle. Wenn überhaupt.“ Der kurze Aufenthalt in der 2. Liga 2000 bis 2002 und 2004 bis 2006, das sei damals nur mit einer großen finanziellen Kraftanstrengung durch den Hauptsponsor gelungen. So etwas lasse sich aber kaum wiederholen, meint Klimmt. Zusätzlich wird ja der Bedarf an Finanzen von Jahr zu Jahr höher. Die 8,5 Millionen Euro, die der FCS in der letzten Zweitligasaison hatte, waren im unteren Ligadrittel angesiedelt. Seitdem steigen die Budgets der Konkurrenten stetig. Von daher stellt sich die Frage, wen der FCS in der 2. Liga da noch verdrängen soll. Ungeachtet dessen gäbe es, so Klimmt, genug Konkurrenten innerhalb der dritten Liga und auch bei den unteren Ligen, die ja auch noch nach oben drängen und vielfach bessere Rahmenbedingungen haben als der FCS, z.B. Offenbach, Braunschweig, Dresden, Rostock. Dass Rot-Weiß Essen wiederkommen wird, nachdem der Stadtrat beschlossen hat, ein neues Stadion zu bauen, davon ist Klimmt felsenfest überzeugt. Dass Leipzig und früher oder später auch Magdeburg auf dem Plan erscheinen werden, ist für Reihart Klimmt nur eine Frage der Zeit. Diese Liste, so Klimmt gelassen, ließe sich beliebig erweitern. Fußball ist nach Klimmts Ansicht nicht mehr nur Männersache. Fußball, das sei ein Event geworden für die ganze Familie. Von daher sollte man vor und nach dem Spiel etwas bieten, wie z.B. ausreichend sanitären Anlagen, eine gute Sicht aufs Spielfeld, am besten ohne Laufbahn, Beköstigung u.a.m. Sponsoren brauchen attraktive Angebote für ihre Gäste. Das heißt, VIP-Räume, denn die reinen Zuschauereinnahmen decken heute kaum mehr die Kosten des Spiels. Das „Drittelkonzept“ hat es Klimmt angetan, um, wie er glaubt, eine dauerhaft selbsttragende Struktur zu formen. Ein Drittel über Fernsehgelder, Zuschauereinnahmen, Totogelder etc, Ein Drittel über eine möglichst große Zahl von mittleren und kleineren Sponsoren und ein Drittel über Großsponsoren. Und das sei machbar, sagt Klimmt, weil es zum Glück noch Sponsoren gäbe, obwohl diese eingefleischte Anhänger des FCS, die den Verein unterstützen wollen und weniger danach fragen, was sie dafür bekommen, immer weniger werden. Dazu kommt, dass die Werbemöglichkeiten innerhalb des Stadions jetzt äußerst begrenzt seien. Vergleiche man die VIP-Bereiche des FC Kaiserslautern, da finde man mehr Saarländer vor als im FCS Stadion, dies habe zwar mit der höheren Ligaklasse zu tun, aber die Atmosphäre des Stadions und das kulturelle Drumherum dabei, bewirke auch Anziehung und Fanbindung. Leider gibt es für Klimmt aber auch kein sportliches Ereignis, das Stadt und Land zusammenbringe. Die Bindung zum Fußball sei hier verloren gegangen. Das Interesse am FCS sei zwar gegeben, doch das Saarbrücker Bürgertum treffe sich lieber, wenn auch nicht oft, auf der Rennbahn, oder spiele Golf. Dazu komme ja noch, dass fast der gesamte saarpfälzische Raum nahezu ausfalle, weil es da eher eine gefühlte Zugehörigkeit zur Pfalz als zu Saarbrücken gäbe. In Rostock oder in Cottbus träffen sich eine ganze Region im Stadion, dazu brauche man bloß die Schilder auf den Tischen in der VIP-Loge zu sehen oder die Sponsorenliste im Internet zu betrachten. Andere Städte haben, nach Meinung Klimmts, andere Sportarten. Trier treffe sich beim Basketball, Kiel und Flensburg beim Handball. Mannheim und Kassel beim Eishockey und das sei auch billiger zu haben. So wie sich die Stadt und das Land in den letzten Jahren verhalten haben, laufe es auch auf „billiger“ hinaus. Dann sollten die Verantwortlichen aber auch offen sagen, dass sie im einstigen Fußballparadies auf den Königssport verzichten wollen, so Klimmt. Die Zeit werde langsam knapp, denn der Abstand nach oben hin wachse beständig, Wenn jemand seine, Reinhart Klimmts Aufgabe übernehmen möchte, sei er gerne bereit diese Verantwortung für die Zukunft abzutreten. Seine Telefonnummer sei ja bekannt, meint er, und er selbst frage auch hin und wieder diesen und jenen, und er hoffe auch auf andere mögliche Interessenten im Hinblick auf Verbesserung der allgemeinen finanziellen Grundlage. Denn ohne diese könne man sich, so Klimmt prophetisch, kaum professionalisieren. Und damit wäre man ja wieder am Anfang der Diskussion.

Zurück zum Anfang

Magazin TAST  Aktuell Das Kulturmagazin in Saarbrücken