Das war ein großartiges Ereignis und es werden noch weitere folgen über die wir berichten werden

Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte in Völklingen / Saar
Einmalig, was bisher in einer Ausstellung über die Kultur der Kelten und ihre materielle Hinterlassenschaft in Deutschland, möglicherweise sogar in Europa, zusammengetragen wurde.


Es wird ihnen, den Kelten, nachgesagt sie wären exzessive Tänzer gewesen, die gebrüllt und mit ihren Schwertern hart auf ihre Schilde geschlagen hätten. Und wenn sie mit so erzeugtem ohrenbetäubendem Lärm auf den Feind losgegangen wären, begleitet von Kriegshörnern und Trompeten, dann hätte sich lähmende Angst und unendlicher Schrecken im Heer der Römer verbreitet. Ein römischer Politiker, dem das damals zu Ohren kam, mutmaßte, das Ganze sei ja wohl eine Unbesonnenheit der Kriegsführung, so etwas könne doch keinen gestandenen römischen Soldaten in Schrecken versetzen. Als dann die zum Töten wie zum Sterben entschlossenen Krieger dieses Keltenvolkes anfangs des 4. Jahrhunderts vor Rom standen, lautete die Losung an Bürger Roms : „Fürchtet euch nicht“. Doch es nutzte wenig. Denn, als die Kelten mit brachialer Gewalt Rom erobert und geplündert hatten, wurde der angebliche Ausruf „vae victis“ ( „Wehe dem Besiegten), den damals der keltische Anführer den geschlagenen Römern entgegen geschleudert haben soll, zur Legende, die bis heute, wohl wegen der römischen Geschichtsschreibung, überdauert hat.
Die keltische Kultur jedoch ist erstaunlicherweise vom kontinentaleuropäischen Raum verschwunden. Eine versunkene Nation. Die Kelten galten den Römern als die Barbaren schlechthin. Als Kopfjäger, Menschenschlächter – ja gar als Kannibalen geisterten die Kelten, narrativ in den römischen Annalen, ein Trauma für die damalige zivilisierte römische Welt. Bis Julius Cäsar nach einem vernichtenden Sieg über die Gallier bei Alesia, mit deren Mythos des Schreckens und ihrer Unbesiegbarkeit endgültig Schluß machte. Nur auf den britischen Inseln und am westlichen Rand der Atlantikküste hielten sich Reste von keltischer Kultur. Heute ganz besonders sichtbar durch Einfluß in die esoterischen

Strömungen, der Verehrung heiliger, heilbringender Bäume, Kraft spendender Runen und des Glaubens an die Naturverbundenheit und Urwüchsigkeit des menschlichen Geistes als einer der Urkräfte des Lebens. Die Kraft zur Ausbreitung ihrer Kultur verdanken die Kelten wohl ihrer frühen Fähigkeit, Eisen zu gewinnen und zu Waffen zu verarbeiten, was sie schon seit dem 7. bzw. 8.Jahundert vor Christi zu beherrschen wußten. Viele virtuos geschmiedete Schmuckstücke bezeugen, dass die Kelten auch eine sinnliche Ader in ihrer Kultur hatten. Doch sagte man ihnen im Lager der Römer immer nach, dass sie ihre Waffen liebten, mehr als ihre Frauen. Wenn man möchte, könnte man den Beweis dieser Behauptung auch daraus ziehen, dass selbst die Gräber davon zeugen, weil jeder Krieger, gleich welchen Ranges, alle seine Waffen als Grabbeigabe zur „weiteren Verfügung“ dabei hatte. Der Glaube an ein Leben nach dem Tod schien die Kelten in Tapferkeit und mit legendärem Willen zum Sieg, und koste es das Leben, zu beflügeln.
Die Völklinger Ausstellung bestätigt durch die ausgestellten Funde, die vornehmlich aus Gräbern von Fürsten, von Kriegern und auch von vielen wohl außergewöhnlichen Frauen stammen, diese Annahme, von denen damals schon selbst Cäsar und die antiken Autoren, so römische Quellen überzeugt waren. Hauptsächlich werden Fundstücke der sogenannten Latène-Kultur, so wird die jüngere Eisenzeit (um ca. 480 v. Chr. bis Ende vorchristlicher Zeit) auch bezeichnet. Im zentralen Gebiet der umliegenden Region „Völklingen“, die das Saarland, Lothringen und Luxemburg umfasst, hat sich wohl auch eine kulturelle Ausbreitung von Kunst und kriegerischer Macht entfaltet. Gerade Völklingen mit seiner spätindustriellen Landschaft mit den düsteren Narben der Eisenverarbeitung ist ein wirksamer Gegenpart für die ausgestellten „golden schimmernden“ Schmuckobjekten, die verziert mit Märchenwesen, die auch aus Tolkiens Romanen stammen könnten. Rund 1650 Schaustücke kann man in Völklingen besichtigen. Aus rund 150 unterschiedlichen Fundörtlichkeiten wird in Völklingen (selbst eine Hütte wurde nachgebaut) ein dichter Einblick gewährt. Sicherlich einmalig, was bisher für eine archäologische Ausstellung über die Kultur der Kelten und ihre materielle Hinterlassenschaft, in Deutschland, möglicherweise sogar in Europa, zusammengetragen wurde. Der „Besuchergangverlauf“ ist gerade und chronologisch angelegt, von beginnenden Grabfunden um 800-480 v. Chr. bis zur Zeit der allmählichen Romanisierung Galliens. Orientieren kann man sich an den Fundzusammenhängen, den jeweiligen Grabbeigaben, die in kleinerer oder größerer Auswahl gezeigt werden. Neben zahlreicher spektakulärer Stücke und berühmter Hauptwerke des keltischen Kulturfundus’, sind zentrale Fundstätten wie das Fürstinnengrab von Walsheim oder das Frauengrab von Vix in Auszügen vertreten. Trotz allem Brimborium in der schreckenden Penetranz keltischer Kriegsauftritte wurden die Kelten letztlich dennoch von den Römern militärisch geschlagen. So zeigt es in Rom die Skulptur des „Sterbenden Galliers“, die in Gips gegossen in Völklingen ebenso zu sehen ist. „Wehe den Besiegten“.
„Die Kelten. Druiden. Fürsten. Krieger“. Die Ausstellung wurde verlängert bis 21. August 2011
Weltkulturerbe Völklinger Hütte
INFO: www.voelklinger-huette.org

Der Katalog kostet 19,90 €
Fotos: Der Armring von Rodenbach: © Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Historisches Museum der Pfalz, Speyer;
Der Ringwall von Otzenhausen; © Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Karl Heinrich Veith